Therapie chronischer Infektionen nach Dr. Cécile Jadin
Die Schule der Infektiologie und ihre Therapie chronischer Infektionen (Rickettsien, Q-Fieber, Borrelien) nach Dr. Cécile Jadin und dem Institut Pasteur.
Q-Fieber & Rickettsiosen: Grundlagen und Übertragungswege
Bevor man sich mit der Q-Fieber-Infektion im Detail auseinandersetzt, ist es aus infektiologischer Sicht unerlässlich, grundlegende biologische Eigenschaften der Rickettsien klarzustellen.
Rickettsien werden primär durch Arthropoden (Gliederfüßer wie Zecken, Flöhe, Läuse und Milben) übertragen – mit Ausnahme von Coxiella burnetii (dem Erreger des Q-Fiebers), das extrem widerstandsfähig ist und aerosol über weite Strecken ohne lebenden Vektor übertragen werden kann. Grundsätzlich zeichnen sich Rickettsien durch eine außergewöhnliche Umweltresistenz aus: Sie widerstehen Feuchtigkeit und Trockenheit, überleben bis zu 60 Tage in Rohmilch, 4 Monate in trockenem Sand, 6 Monate in tiefgefrorenem Fleisch und 7 bis 9 Monate in Baumwolltextilien.
Als natürliche Reservoire fungieren Nagetiere, Wildtiere und Vögel. Während über Jahrhunderte hinweg vor allem Vogelzüge für die geografische Verbreitung verantwortlich waren, führt der moderne globale Flug- und Warenverkehr zu einem weltweiten Austausch unterschiedlichster Erregerstämme. Auch im Wasser ist ein Austausch möglich, sodass selbst Fische und Wassertiere an verwandten Ehrlichiosen erkranken können. Nur im ewigen Eis der Antarktis sind Rickettsien nicht überlebensfähig.
Die sogenannte Pneumorickettsiose, das Krim-Fleckfieber und die Euböa-Grippe werden durch Coxiella burnetii ausgelöst – ein Erreger, der weltweit endemisch vorkommt.
Übertragung und klinische Symptomatik des Q-Fiebers
Der Q-Fieber-Erreger Coxiella burnetii kann unter anderem durch Schildzecken (Dermacentor marginatus, Ixodes ricinus) übertragen werden. Die in Deutschland offiziell gemeldeten ca. 300 Fälle pro Jahr spiegeln bei weitem nicht die reale Durchseuchungsrate in der Bevölkerung wider. In den meisten Fällen erfolgt die Infektion aerogen durch Inhalation von kontaminiertem Stall- oder Weidestaub, getrockneten Ausscheidungen infizierter Nutztiere (Rinder, Schafe, Ziegen) oder über den Verzehr von nicht-pasteurisierten Milchprodukten.
Wie auch Dr. I. Fonk in ihrem Standardwerk „Rickettsiose – System- und Hauterkrankungen“ bestätigt, kann die Infektion zusätzlich über Blut- und Knochenmarktransfusionen, transplazentar auf das ungeborene Kind sowie durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Ausgeschiedene Erreger überleben bis zu 1,5 Jahre auf trockenem Boden und bis zu 3 Jahre in feuchtem Erdreich.
Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 4 Wochen stehen zunächst grippeähnliche Akutsymptome mit heftigen retroorbitalen Kopfschmerzen, hohem Fieber, Schüttelfrost und schweren Myalgien (insbesondere der Rücken- und Brustmuskulatur) im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kann es zu atypischen Pneumonien, granulomatöser Hepatitis, Glomerulonephritis sowie zu lebensbedrohlichen Herzklappenentzündungen (Q-Fieber-Endokarditis) kommen. Die Q-Fieber-Endokarditis verläuft schleichend chronisch und weist unbehandelt eine hohe Mortalität auf.
Nachweis und Diagnostik von Rickettsien-Infektionen nach Prof. Jadin
Bei der systematischen Abklärung und Therapie stützt sich der VBCI e.V. auf die bahnbrechenden Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Jean-Baptiste Jadin (Institut für Tropenmedizin Antwerpen / Institut Pasteur) und seiner Tochter Dr. Cécile Jadin (Johannesburg, Südafrika).
Prof. Dr. Jean-Baptiste Jadin war ein direkter Schüler der Pasteur-Tradition und forschte gemeinsam mit Nobelpreisträger Prof. Dr. Charles Nicolle und Prof. Paul Giroud. Die historische Entwicklung dieser Schule beleuchtet der Beitrag über Die belgische Tropenmediziner-Schule von Prof. Jean Jadin.
Dr. Cécile Jadin erkannte, dass chronische Rickettsiosen und Borreliosen den gesamten Organismus befallen und interdisziplinär in Kardiologie, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie hineinwirken. Sie prägte das Konzept des „ätiologischen Krankheitsverständnisses“: Ein und derselbe intrazelluläre Erreger kann je nach befallenem Gewebe völlig unterschiedliche Krankheitsbilder (von ME/CFS und Fibromyalgie über Multiple Sklerose bis hin zu bipolaren Psychosen) auslösen.
Wissenschaftler wie Giroud und Le Gac wiesen nach, dass Rickettsien bevorzugt das vaskuläre Gefäßendothel besiedeln. Dr. Jadin leitet daraus ab, dass die chronische Rickettsiose primär eine obstruktive Kleingefäßerkrankung (Endangiitis obliterans) darstellt. Die Pathomechanismen dieses Gefäßbefalls beschreibt der Fachaufsatz Pathogenese von Rickettsiosen und Gefäßbefall.
Der Mikroagglutinationstest (MAT) nach Giroud & Jadin
Im Oktober 1997 verlieh das Institut Pasteur Prof. Dr. Jean-Baptiste Jadin den renommierten Brumpt-Preis für die Erfindung und Perfektionierung des Mikroagglutinationstests (MAT).
Der MAT erfasst fünf spezifische Antigen-Gruppen:
- Rickettsia prowazekii (Epidemisches Fleckfieber)
- Rickettsia mooseri / typhi (Endemisches Flohfleckfieber)
- Rickettsia conorii (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber / Fièvre boutonneuse)
- Coxiella burnetii (Q-Fieber)
- Neo-Rickettsia / Chlamydia (Gruppe der Neo-Rickettsien)
Das Ergebnisprotokoll wird quantitativ in vier Agglutinationsstufen eingeteilt:
++++Sehr hoher Antikörpertiter+++Hoher Antikörpertiter++Mäßiger Antikörpertiter0Keine freien Antikörper nachweisbar
Der veraltete Weil-Felix-Test wird aufgrund mangelnder Sensitivität und häufiger Kreuzreaktionen (mit Proteus-Bakterien, Leptospiren und Borrelien) nicht mehr empfohlen. Da Standardlabore in Deutschland den MAT nicht anbieten, bleiben viele chronische Rickettsiosen unentdeckt.
Die 4 diagnostischen Säulen nach Dr. Cécile Jadin
Die fundierte Diagnostik nach Dr. Jadin stützt sich auf vier komplementäre Säulen:
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│ 1. SÄULE: ANAMNESE & SYMPTOMHISTORIE │ │ 2. SÄULE: KÖRPERLICHE UNTERSUCHUNG │
│ - Detaillierter Symptomverlauf │ │ - Hautfarbe, Lymphknotenstatus │
│ - Fatigue, Neurokognition, Schmerz │ │ - Kardiopulmonale Auskultation │
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│ 3. SÄULE: SEROLOGIE (MAT-TEST) │ │ 4. SÄULE: DIFFERENZIAL-LABOR │
│ - MAT nach Giroud & Jadin │ │ - Ferritin, Schilddrüse, Autoantik. │
│ - Titer-Verlaufskontrollen │ │ - Leber-, Nieren-, Entzündungswerte │
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1. Erste Säule: Anamnese und Symptomverlauf
Strukturierte Erfassung der Krankheitsgeschichte mittels spezialisierter Fragebögen: rezidivierende Fieberschübe, extreme Fatigue, Kopfschmerzen, kognitive Dysfunktionen („Brain Fog“), muskuloskelettale Schmerzen und Dysautonomien.
2. Zweite Säule: Klinisch-körperliche Untersuchung
- Hautkolorit: Auffällige Blässe, grauer/zementfarbener Hautton infolge mikrovaskulärer Minderperfusion.
- Lymphknotenstatus: Palpable, vergrößerte Drüsen im Nacken-, Zervikal- und Inguinalbereich als Zeichen aktiver oder abgelaufener Entzündungsschübe.
- Pharynx: Chronisch gerötete, gereizte Rachendrüsen ohne akuten Infekt.
- Kardiovaskuläres System: Tachykardien, Rhythmusstörungen und wechselnder Blutdruck.
- Abdomen: Schmerzempfindlichkeit im rechten Unterbauch (Appendix-Region / lymphatisches Gewebe) und mäßige Hepatosplenomegalie.
3. Dritte Säule: Mikroagglutinationstest (MAT)
Serologische Titer-Bestimmung der fünf Rickettsien-Antigene. Bei negativem Titer trotz eindeutiger Klinik ist zu differenzieren, ob das Immunsystem durch massive Erregerlast paralysiert ist (Anergie). In solchen Fällen sind serielle Verlaufstests unter Anbehandlung indiziert.
4. Vierte Säule: Spezifische Labor- & Entzündungsparameter
- Großes Blutbild und Differenzialblutbild
- Eisenstoffwechsel: Ferritin und Transferrinsättigung
- Schilddrüsenfunktion (TSH, fT3, fT4, TPO-AK, TRAK)
- Leber- und Nierenfunktionswerte
- Autoimmun- & Entzündungsparameter: CRP, Antinukleäre Antikörper (ANA/ANF), Rheumafaktor (RF)
Die zyklische Schaukeltherapie nach Dr. Jadin
Auf Basis dieser vier Säulen erarbeitete Dr. Cécile Jadin ihr international anerkanntes Protokoll der zyklischen Schaukeltherapie (gepulste Intervallantibiose), das sie bei über 20.000 Patienten erfolgreich anwandte.
1. Das therapeutische Grundprinzip
Intrazelluläre Erreger wechseln zwischen aktiven Replikationsphasen und ruhenden L-Formen bzw. Zysten. Eine permanente Dauerantibiose führt zur Selektion resistenter Stämme und schweren Mikrobiomschäden. Das Jadin-Protokoll setzt daher auf kurzzeitige, hochdosierte Impulse:
- Einnahmephase: 7 bis 10 Tage hochdosierte Kombinationstherapie mit zellgängigen Antibiotika.
- Ruhephase: 3 Wochen therapiefreies Intervall zur Regeneration der Organfunktionen und Reaktivierung verbliebener L-Formen.
- Rotation der Wirkstoffe: Wechsel der Antibiotikaklassen (Doxycyclin, Azithromycin, Erythromycin, Minocyclin, Metronidazol, Chinolone) in jedem Zyklus, um Resistenzen zu verhindern.
Die Weiterentwicklung dieser Protokolle in Europa dokumentiert das Fachinterview über die Klinische Weiterentwicklung der Schaukelkur durch Dr. Bottero.
2. Wichtige Begleitmedikation & Nährstoff-Restriktionen
- Leberschutz & Entgiftung: Gabe von Silymarin (Legalon) und Toxinbindern.
- Magenschutz: Protonenpumpeninhibitoren (PPI) bei Bedarf zur Schleimhautprotektion.
- Keine fettlöslichen Vitamine (A, D, E, K) während der Antibiose: Dr. Jadin warnt vor der unkritischen Gabe hochdosierter fettlöslicher Vitamine während der aktiven Antibiosephase, da diese membranresistent eingelagert werden und die Erregerelimination erschweren können.
- Keine zusätzliche Eisen- und Magnesiumzufuhr: Rickettsien und Borrelien benötigen freies Eisen und Magnesium für ihr Wachstum in der Zellkultur. Ein erniedrigter Serum-Eisenwert normalisiert sich nach erfolgreicher Erregereradikation von selbst.
3. Verhaltensregeln für Patienten während des Antibiotika-Zyklus
- Medikamenteneinnahme stets nach den Mahlzeiten zur optimalen Magenverträglichkeit.
- Reichliche Flüssigkeitszufuhr: Mindestens 2 bis 3 Liter stilles Wasser täglich zur renalen Toxin-Ausscheidung.
- Hypertherme Bäder (ca. 40 °C) oder Sauna: Förderung der Durchblutung und kutane Toxin-Ausleitung (unter Zugabe von Meersalz / Epsom-Salz).
- Striker Verzicht auf Milchprodukte: Milch, Käse und Joghurt hemmen die enterale Resorption von Tetrazyklinen und Chinolonen.
- Konsequenter Sonnenschutz: Gefahr von Photodermatosen unter Doxycyclin und Minocyclin.
- Alkoholverbot (insbesondere unter Metronidazol wegen Disulfiram-ähnlicher Reaktionen).
- Verzicht auf gefäßverengende Substanzen: Kaffee, Cola, Energy Drinks und Nikotin verengen die Kapillaren und verhindern das Eindringen der Wirkstoffe in die infizierten Endothelien.
Praktische Notfallmaßnahmen und therapeutische Erste-Hilfe-Schritte fasst der Ratgeber über Soforthilfe- und Therapiemaßnahmen zusammen.
Den vollständigen klinischen Leitfaden mit Dosierungstabellen und Verordnungsschemata für Behandler finden Sie in der Publikationsreihe: Ärzteleitfaden Teil 3: Zyklische Schaukeltherapie.
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- Ärzteleitfaden: Bestellen Sie den dreiteiligen Klinischen Leitfaden für Ärzte.
- Labor & Testverfahren: Informieren Sie sich über die Mikroagglutination (MAT) und Referenzstellen.
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